Fachartikel von Lisa Fässler, Februar 2026

Sinnhaftigkeit bei der Arbeit – ein kritischer Erfolgsfaktor für Unternehmen und deren Mitarbeitende

Das Denkmodell von Erwerbsarbeit und Leistungsbereitschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Traditionell standen für Angehörige der Babyboomer-Generation und der Generation X Anreize wie ein hohes Einkommen, feste Karrierepfade und berufliche Stabilität bei der Wahl des Arbeitgebers im Zentrum. Seit dem Eintritt der Generation Y (Millennials) und spätestens der Generation Z in den Arbeitsmarkt zeichnet sich jedoch ein Wertewechsel ab – insbesondere gewinnt das Sinnerleben in der Arbeit an Bedeutung (1).

Wann ist Arbeit sinnvoll?
Sinnhafte Arbeit beschreibt die subjektive Wahrnehmung von Arbeitnehmenden, dass ihre Tätigkeit persönlich und/oder gesellschaftlich bedeutsam, lohnend und wertvoll ist (2). Dabei ist dieses Empfinden, ob eine Arbeit sinnvoll ist oder nicht individuell und basiert auf den jeweils eigenen Werten, Bedürfnissen und Lebenserfahrungen.

Generell wird Arbeit eher als sinnstiftend empfunden, wenn Mitarbeitende in ihrem Tätigkeitsbereich über genügend Freiheiten und Handlungsspielraum verfügen, um auch eigene Entscheidungen zu treffen. Weitere Aspekte der Arbeitsorganisation wie Abwechslung und das Vorhandensein von persönlichen und fachlichen Lernmöglichkeiten gehören ebenfalls zu häufig genannten Faktoren für sinnvolle Arbeit. Auch das Einbringen von eigenen Kompetenzen bei der Arbeit ist für 82% der Mitarbeitenden zentral (3). Die Vollständigkeit der Arbeit, d.h. dass eine Tätigkeit ganzheitlich von Anfang bis zu Ende durchgeführt werden kann, sowie der sichtbare Beitrag der eigenen Arbeit zum Gesamterfolg stellen weitere wichtige Aspekte einer sinnvollen Tätigkeit dar. Besonders sinnstiftend zeigt sich in Umfragen das Vorhandensein einer Rückmeldung durch die Tätigkeit an sich, wenn also etwas geschaffen wird, das einen direkten (sozialen) Nutzen aufweist (3). Schliesslich spielt auch die Unternehmenskultur eine zentrale Rolle: Sinn wird häufig durch ein starkes Wir-Gefühl im Team betreffend Werten und Zielen sowie die Übereinstimmung von eigenen Werten mit denen des Gesamtunternehmens oder des Berufsfelds vermittelt.

Effekte von sinnstiftender Arbeit
Arbeitnehmende, die ihre Arbeit als sinnstiftend erleben, haben eine deutlich höhere Arbeitszufriedenheit als Personen mit individuell als sinnlos wahrgenommenen Tätigkeiten. Die Möglichkeit, eigene Kompetenzen mit den Anforderungen der Tätigkeit in Einklang zu bringen, führt zudem zu einem verstärkten positiven emotionalen Erleben im Arbeitsalltag (4). Eine Längsschnittstudie zeigte ausserdem, dass sinnvolle Arbeit ein relevanter Prädiktor für psychisches Wohlbefinden ist (5).
Auch die Leistungsbereitschaft und das gezeigte Engagement haben einen Zusammenhang mit dem Erleben von Sinn. Mitarbeitende, die ihre Arbeit als sinnvoll wahrnehmen, investieren mehr Zeit und Energie in ihre Aufgaben (6). Sinnvolle Arbeit nützt somit nicht nur den einzelnen Mitarbeitenden, sondern auch dem Unternehmen. Verdeutlicht wird dies durch Befunde, dass ein stärkeres Sinnerleben mit geringeren Absichten verbunden ist, das Unternehmen zu verlassen. Mitarbeitende, die ihren Job als wertvoll und persönlich sinnstiftend wahrnehmen, berichten von deutlich geringeren Kündigungsabsichten und einer stärkeren Bindung an das Unternehmen (5).

Fazit
Die gesellschaftliche Entwicklung sowie bisherige Studienergebnisse legen nahe, dass Unternehmen, die einen hohen Einsatz ihrer Mitarbeitenden erwarten, diese entsprechend begeistern müssen. Besonders für jüngere Generationen gewinnt das Erleben von Sinn zunehmend an Bedeutung. Autonomie, Entwicklungsmöglichkeiten, Ganzheitlichkeit und einen erkennbaren Beitrag zum Unternehmen oder zur Gesellschaft sind deshalb wichtige Hebel, um die Motivation, Leistungsbereitschaft und langfristige Bindung von Mitarbeitenden zu stärken. Unternehmen können dazu beitragen, indem sie Sinnhaftigkeit bei der Arbeitsorganisation und Prozessentwicklung mit einbeziehen oder die Zusammenarbeit im Team und gemeinsame Werteentwicklung im Rahmen von Workshops thematisieren.

Auskünfte zu diesem Thema und zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement können unter der Nummer +41 44 215 43 65 oder Email otz@ryvcfyvsr.pbz eingeholt werden. Das erste Evaluationsgespräch ist kostenlos.

Quellen

  1. Deloitte; 2025 Gen Z and Millennial Survey
  2. Badura, B. (2017). Arbeit und Gesundheit im 21. Jahrhundert – Mitarbeiterbindung durch Kulturentwicklung
  3. Schweizer HR-Barometer 2024
  4. Charles-Leija et al. (2023). Meaningful work, happiness at work, and turnover intentions (Meaningful Work, Happiness at Work, and Turnover Intentions | MDPI)
  5. Herr et al. (2023). The longitudinal directional associations of meaningful work with mental well-being – initial findings from an exploratory investigation
  6. Cnossen, F., & Nikolova, M. (2025). Work meaningfulness and effort (Work meaningfulness and effort - ScienceDirect)

 

Zur Person
Lisa Fässler
Corporate Health Manager

Fachartikel von Lisa Fässler

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