Voices-Interview mit Prof. Dr. Andrea Samson, ordentliche Professorin an der Fakultät für Psychologie der FernUni Schweiz. Humor, positive Emotionen und die Regulation von Emotionen im Zusammenhang mit psychischer Gesundheit spielen in mehreren ihrer Forschungsprojekte eine wichtige Rolle.
elipsLife: Andrea Samson, in welcher Situation haben Sie zuletzt Ihren Humor gebraucht?
Im Grunde brauche ich ihn fast täglich. Gerade in den letzten Wochen während der Prüfungszeit an der Uni gab es viele Situationen mit unerwarteten Problemen oder sehr viel Arbeitsbelastung. Humor hilft mir dann, kurz Abstand zu gewinnen und die Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Das löst das Problem nicht – aber es verhindert, dass man sich völlig darin verliert.
Humor braucht es nicht zum Überleben, aber er macht das Leben leichter. Stimmt das?
Ich würde sogar sagen, Humor gehört nicht zu den Grundbedürfnissen wie Essen oder Schlafen. Aber er ist ein erstaunlich wirksames Werkzeug, um mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen. Er ist weit mehr als nur Lachen, er dient der Emotionsregulierung, kann also negative Gefühle transformieren. Genau das untersuchen wir wissenschaftlich. Er verändert nicht die Situation, aber unsere emotionale Reaktion darauf. Humor hilft dabei, Stress zu reduzieren, schwierige Emotionen besser auszuhalten, Beziehungen zu stärken und selbst belastende Situationen etwas flexibler zu betrachten.
Das brauchen wir ja gerade jetzt besonders, in dieser instabilen Welt, in der viele Ängste hochkommen?
Ja, gerade in Krisenzeiten sieht man oft, dass Menschen beginnen zu scherzen – nicht weil ihnen die Situation egal wäre, sondern weil Humor, gerade auch etwas Galgenhumor, hilft, psychisch handlungsfähig zu bleiben.