echo-Interview mit Monika Wicki-Hess, Mentaltrainerin, Hergiswil
elipsLife echo: Frau Wicki Hess, als Mentaltrainerin von Marco Odermatt haben Sie mitgeholfen, ihn an die Weltspitze des Skisports zu bringen und ihn dort zu halten. Wie gross ist der Anteil des Mentaltrainings an dieser Erfolgsgeschichte?
Monika Wicki-Hess: Der Anteil ist gross. Spitzenathleten gehören in ihrer Sportart zu den Allerbesten. Sie verstehen ihr Handwerk und am Schluss entscheidet die mentale Stärke darüber, ob ein Athlet oder eine Athletin zum Zeitpunkt X die volle Leistung abrufen kann. Deshalb spielt der mentale Bereich auf diesem Level eine sehr wichtige Rolle.
Wie oft ist ein Marco Odermatt bei Ihnen im Mentaltraining?
Am Anfang einer Zusammenarbeit sind die Treffen häufiger, zum Beispiel alle zwei Wochen. Da geht es darum, ein Fundament zu erarbeiten. In einer nächsten Phase bestimmen wir gemeinsam die Prioritäten und entwickeln zusammen geeignete Strategien für die spezifischen Herausforderungen. Sind diese Strategien definiert, kommt die Umsetzung in die Praxis. Dafür brauchen die Athleten Zeit. Sie müssen schauen, ob die gewählten Strategien funktionieren oder ob es Anpassungen braucht. Je mehr funktionierende Strategien ein Athlet hat, desto weniger Sessions braucht es.
Etwas konkreter: Wie sieht ein Mentaltraining für einen Profisportler aus?
Zunächst muss mir mein Gegenüber erzählen, was sie oder ihn belastet. In dieser Phase muss ich sehr gut zuhören und die richtigen Fragen stellen. Das ist durchaus mit einer psychologischen Beratung vergleichbar. Mit dem Unterschied, dass wir im Mentaltraining aktiv dabei helfen, ganz persönliche Strategien zur Bewältigung von Herausforderungen zu entwickeln. Wir geben Inputs und vermitteln Tools, mit denen die Sportler arbeiten können. Das Spektrum reicht vom gemeinsamen, auf die Person abgestimmten, autogenen Training über das Erlernen des Visualisierens bis hin zur Erarbeitung individueller Wettkampfvorbereitungen. Sehr wichtig ist die Kontrolle der Gedanken, insbesondere der negativen oder zweifelnden. Das Ziel bleibt dabei immer dasselbe: Jene Strategien umzusetzen, mit denen der Athlet seinen ganz persönlichen Herausforderungen erfolgreich begegnen kann.
Was kann Mentaltraining uns Normalsterblichen bringen?
Auch Nicht-Spitzensportler haben Herausforderungen, einfach auf einem anderen Gebiet und auf einer anderen Ebene. Studenten mit Prüfungsangst, Breitensportler, Familienfrauen oder Manager mit Versagensängsten brauchen genauso Strategien, um ihre Herausforderungen erfolgreich zu meistern.