Interview mit Lucas Müller im finanzwelt extra, Oktober 2020

In der Berufsunfähigkeit findet ein Umdenken statt

Berufsunfähigkeitsversicherung im arbeitgeberfinanziertem Kollektiv ohne Gesundheitsprüfung. Im finanzwelt-Interview erklärt Lucas Müller, CEO von elipsLife Deutschland, wie das funktioniert.

finanzwelt: Gibt es bei Ihnen einen Corona-Effekt? Und wenn ja, wie zeigt er sich?
Lucas Müller» Aus Arbeitgebersicht stellen sich uns die gleichen Fragen wie anderen Unternehmen. Wir haben mit dem Homeoffice gute Erfahrungen gemacht und streben post-Corona ein hybrides Modell aus Präsenz und Remote Work an. Dabei liegt der Fokus auf der Führung, dem Teamspirit und der physischen und psychischen Gesundheit der Mitarbeitenden. Auch aus versicherungstechnischer Sicht sehen wir einen Corona-Effekt, jedoch nicht so einschneidend, wie wir zu Beginn der Krise befürchtet hatten. Aktuell beobachten wir eher die indirekten Folgen der Krise, insbesondere die Entwicklung der psychischen Belastungen wegen des Physical Distancing, der diffusen Gesundheitsängste und der unsicheren wirtschaftlichen und beruflichen Aussichten. Es gibt aber auch einen anderen Corona-Effekt: Die Krise fördert die Erkenntnis, dass die Gesundheit der Arbeitnehmenden für die Produktivität des Unternehmens entscheidend ist. Zudem setzen sich vermehrt Leute mit ihrer Risikoabsicherung auseinander und stoßen dabei auf Deckungslücken. Beide Aspekte steigern derzeit die Nachfrage nach unserer Versicherungslösung.

finanzwelt: Sie bringen uns zum Thema. elipsLife bietet Versicherungsdeckungen für Invalidität und Tod an. Was machen Sie anders als die anderen?
Müller» Relativ viel. Zuerst gilt es, sich vom Gedanken zu lösen, dass Berufsunfähigkeit Privatsache ist. Mit der betrieblichen Einkommenssicherung sind wir im Kollektiv unterwegs. Das ist in anderen europäischen Ländern Standard und in Employee Benefits fest verankert. Wir versichern also gesamte Mitarbeiterbestände kollektiv gegen die finanziellen Risiken von Berufsunfähigkeit und Tod. Der Arbeitgeber ist unser Versicherungsnehmer, er wiederum befindet sich im Durchführungsweg der Direktzusage. Es entfallen im Normalfall jegliche Gesundheitsprüfungen, weil eine Antiselektion wegen der Arbeitgeberfinanzierung weitestgehend ausgeschlossen ist.

finanzwelt: Wieso wird dieser innovative Ansatz nun auch in Deutschland funktionieren?
Müller» Der Unterschied zum Ausland ist lediglich der Stand der Entwicklung, das Vorsorgesystem mit den drei Schichten ist sehr ähnlich. In Deutschland sind wir in einer Phase der Überzeugungsarbeit, die zweite Säule zu stärken. Die positive Entwicklung unserer Zahlen hat gezeigt, dass sich Arbeitgeber attraktiver positionieren wollen. Die betriebliche Einkommenssicherung hat eine große Wertigkeit für die Arbeitnehmerschaft, die sich eine solche Deckung in der Höhe oftmals privat entweder nicht leisten kann oder aber bei der individuellen Gesundheitsprüfung aussortiert wird. Die Zusage einer existenzerhaltenden Deckung hat Prestigecharakter für den Arbeitgeber. Als einer der ersten in einer Branche seinen Mitarbeitenden finanzielle Sicherheit auf diesem Weg anbieten zu können, ist für viele Arbeitgeber gerade im Wettbewerb um Talente zentral.

finanzwelt: Reicht das?
Müller» Wir haben einen zusätzlichen Trumpf im Ärmel. Im Bereich der Berufsunfähigkeit ist es immer besser, Krankheiten vorzubeugen, statt eine Rente zu leisten. Ein wegen Krankheit ausgefallener Mitarbeiter ist nicht produktiv und verursacht aufgrund der Fehlzeiten erhebliche Kosten, von Ersatz- und Einarbeitungskosten ganz zu schweigen. Deshalb gilt es, Prävention und Wiedereingliederung in den Vordergrund zu stellen und die Aktivitäten dort zu intensivieren. Mit dem elipsLife Care Management als Teil unserer Versicherungslösung unterstützen wir Arbeitgeber bei der Gesunderhaltung der Belegschaft. Dies fördert die physische und psychische Resilienz der Mitarbeitenden und senkt direkte und indirekte Krankheitskosten.

finanzwelt: Wie gehen Sie die betroffenen Mitarbeiter konkret an?
Müller» Care Management basiert auf einem Vertrauensverhältnis zwischen unserem Gesundheitslotsen und der versicherten Person. Um einen einfachen Erstzugang zu gewährleisten, haben wir das Gesundheitstelefon eingeführt. Mitarbeitende können da mit sämtlichen gesundheitsrelevanten Fragen anrufen – zum Beispiel eine Zweitmeinung einholen oder sich zu Impfungen und Medikamenten beraten lassen. Unser Interesse liegt insbesondere an der Erkennung von psychischen Belastungen und Einschränkungen im Bewegungsapparat, weil wir in solchen Fällen möglichst rasch individuell und persönlich unterstützen wollen. Über den telefonischen anonymen Erstzugang bauen wir eine erste Bindung auf und können das Gespräch danach zu einer Beziehung weiterentwickeln.

finanzwelt: Kommen wir zum Vertrieb. Inwieweit findet das Konzept bei Ihren Kunden und bei deren Maklern Anklang?
Müller» Es findet klar ein Umdenken statt. Vor drei Jahren war unser Kundenstamm geprägt von Unternehmen mit Sitz im Ausland, für welche die betriebliche Einkommenssicherung im Heimmarkt bereits Standard ist. In den letzten 24 Monaten zog die Nachfrage auch bei deutschen Unternehmen an. Die Pandemie treibt den Bedarf zusätzlich an, was auch für Makler ein guter Zeitpunkt für den Einstieg ist. Die Makler unterstützen wir übrigens mit verschiedenen Factsheets und Beratungsvorlagen. Viele sind sehr interessiert, unser Konzept auf den Markt zu bringen. Aufgrund der Neuheit nehmen uns Makler immer wieder mit zu Kunden, was wir sehr schätzen. Es zeigt sich, dass die arbeitgeberfinanzierte kollektive Absicherung im Rahmen der bAV großen Zuspruch erhält und viele Marktteilnehmer das große Potenzial bearbeiten wollen.

finanzwelt: Sie erzählten mir von einem KMU-Modell, wollen Sie hierzu zum Abschluss noch etwa sagen?
Müller» Gerne. Als Versicherer sucht man am liebsten große Kollektive, weil dort das Gesetz der großen Zahl zieht. Dies führte dazu, dass kleinen Kollektiven – die überwiegende Mehrheit der Unternehmen – der Zugang zur betrieblichen Einkommenssicherung verwehrt war. Wir reden hier von knapp 20 Millionen betroffenen Arbeitnehmenden. Seit Oktober 2020 haben wir ein online-basiertes KMU-Modell aufgesetzt, das es den Maklern ermöglicht, auch für kleinere Kollektive Angebote rechnen und direkt abschließen zu können. Das ist eine echte Neuheit und öffnet zusätzliche Potenziale.