Fachartikel von Kirsten Rehage, November 2020

Das Coronavirus: Die unterschätzten Folgen für Rücken und Psyche

Aktuelle Befragungen zeigen: Die Corona-Krise hat zu einem Anstieg von Rückenschmerzen und psychischen Beschwerden geführt. Studien und Fachartikel sprechen daher auch schon von einer unsichtbaren dritten Welle. Grund für diese Beschwerden ist nicht zuletzt die Flexibilisierung der Arbeit.

Dass das Coronavirus die Welt verändert hat, zeigt sich in vielen Bereichen des Lebens. Neue Faktoren sind zu beobachten, die das Wohlbefinden jedes Einzelnen beeinträchtigen; zum Beispiel der digitale Stress. Die Nutzung von Nachrichtendiensten hat nachweislich stark zugenommen, zu viele Informationen führen jedoch oftmals zu Unsicherheit und Angst. Oder die weiterhin massive Reduzierung der persönlichen Kontakte. Die meisten Menschen kompensieren dies über die Online-Kontaktpflege wie durch die Videotelefonie, was einen persönlichen Kontakt allerdings nicht vollständig ersetzen kann.

Rückenleiden und psychische Erkrankungen sind ein häufiger Grund für Fehlzeiten
Bereits seit Langem zählen Rückenleiden und psychische Erkrankungen zu den weit verbreiteten Volkskrankheiten und verursachen oft auch krankheitsbedingte Fehlzeiten. Diese führen für Arbeitgeber zu Kosten zum Beispiel für Entgeltfortzahlungen. Kosten, die durch das Coronavirus und seine Folgen noch steigen könnten. 

Ursache für den Anstieg von Rückenschmerzen können Bewegungsmangel und/oder die nicht-ergonomische Gestaltung des mobilen Arbeitsplatzes sein. So arbeiten viele Mitarbeitende beispielweise weiterhin ganz oder teilweise im Homeoffice – in nicht wenigen Fällen am Küchen- oder Wohnzimmertisch; teilweise sogar auf dem Sofa. Corona und die damit einhergehenden Folgen wie die soziale Isolation während des Lockdowns im Frühjahr dieses Jahres haben sich auch bei vielen Menschen auf die mentale Gesundheit ausgewirkt. Die anhaltende Pandemie wird oftmals als Stress empfunden – auch weil viele um ihre Existenz bangen. Im Fokus der Öffentlichkeit steht das Virus jedoch meistens wegen seinen physischen und weniger aufgrund seiner psychischen Auswirkungen. Letztere sind allerdings nicht zu unterschätzen, führten doch psychische Erkrankungen bereits vor Corona nicht selten zu einem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Berufsleben.  

Arbeitgeber sind gefordert
Die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden ist das Kernkapital jedes Unternehmens. Daher sollten Arbeitgeber gezielte Maßnahmen ergreifen, um dem Anstieg von Rücken- und psychischen Beschwerden ihrer Beschäftigten entgegenzuwirken. Dies ist auch aus der Sicht zu betrachten, dass sich die Arbeitswelt in den letzten Monaten in vielen Bereichen in einem rasanten Tempo verändert hat. Viele Mitarbeitende wünschen, dass Änderungen auch in post-Corona-Zeiten weiterhin nachhaltig bleiben, z.B. mobil arbeiten zu können. Hieraus ergeben sich für Arbeitgeber Konsequenzen, denn sie sind auch unter solch veränderten Gegebenheiten verpflichtet, ihrer Fürsorgepflicht nachzukommen. 

Die Änderungen wirken sich ebenfalls auf die Führung aus. Dies ist ein wichtiger Punkt gerade im Wissen, dass eine als schlecht erlebte Führung psychisch krank machen kann. Arbeitgeber und Mitarbeitende sind nach mehr als sechs Monaten Pandemie aktuell in einer neuen Normalität angekommen. Führungskräfte sind dabei aber mehr denn je gefordert. Ihr Verhalten ist zentral, denn sie müssen mit gutem Beispiel vorangehen für das Verhalten, das sie vermitteln möchten. Dies gilt auch bezüglich des Umgangs mit psychischen Belastungen. Wichtig ist, dass Führungskräfte, Mitarbeitende und Teams miteinander in Kontakt bleiben. Dafür gilt es, den geeigneten Kommunikationskanal zu wählen. Es ist sicher sinnvoller, mit den Mitarbeitenden zu telefonieren oder Videokonferenzen abzuhalten als ausschließlich per E-Mail zu kommunizieren. Dieser direkte Kontakt ermöglicht es Führungskräften schneller wahrzunehmen, ob ein Mitarbeitender psychisch belastet ist. Und so können sie entsprechend schneller und besser reagieren. 

Zur Vermeidung von Rückenerkrankungen sollten Arbeitgeber ihre Mitarbeitenden bei der ergonomischen Gestaltung des Homeoffice-Arbeitsplatzes unterstützen. Dies kann auf unterschiedlichste Weisen erfolgen, zum Beispiel durch Bezuschussung bei der Anschaffung von Bürostühlen und Schreibtischen oder durch Anleitungen für „Bürogymnastik“ zur Stärkung der Rückenmuskulatur.   

Ebenfalls ist es hilfreich, wenn Arbeitgeber ihren Mitarbeitenden konkrete Tipps für mobiles Arbeiten an die Hand geben, wie das Einhalten von Routine und Struktur analog dem Arbeiten im Büro, das Beachten von genügend Bewegung und gesunder Ernährung sowie das Wahren der Kontakte zu Vorgesetzten und Kollegen sowie Kolleginnen.

Chancen gilt es zu nutzen 
Arbeitgeber, die gerade in der gegenwärtigen Corona-Zeit zeigen, dass ihnen die Gesundheit ihrer Belegschaft am Herzen liegt, sollten ihre Mitarbeitenden aktiv dabei unterstützen, diese zu erhalten bzw. zu verbessern. Dies bietet die Chance, angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels als Gewinner aus dieser Krise hervorgehen. Gezielte Maßnahmen ermöglichen es Arbeitgebern, einem Anstieg von Krankenständen vorzubeugen bzw. diese eventuell auch zu reduzieren. Dabei haben Sie zugleich die Möglichkeit, das Employer Branding sowie die Mitarbeitendenbindung und -motivation zu stärken. In die Gesundheit der Mitarbeitenden zu investieren, lohnt sich in mehrfacher Hinsicht – übrigens nicht nur in Corona-Zeiten. 

Zur Person
Kirsten Rehage
Head Care & Claims Management elipsLife Germany & Austria