Fachartikel von Lucas Müller, CEO elipsLife Deutschland, Juni 2018

„Wartung“ der Mitarbeiter reduziert Kosten

Aus drei Gründen warten wir regelmäßig unser Auto: zur Erhöhung der Sicherheit, zur Steigerung der Verlässlichkeit und zur Verhinderung kostspieliger Reparaturen. Wir investieren also jährlich einen kleinen Betrag, um unangenehme Überraschungen zu verhindern, die Lebensdauer des Fahrzeugs zu verlängern und ungeplante Kosten zu vermeiden. Das Konzept lässt sich eins zu eins auf Mitarbeiter übertragen. Regelmäßige „Wartung“ beim Personal führt zu einer signifikanten Kostenreduktion für den Arbeitgeber. Ein Schweizer Vorsorgekonzept belegt dies.

Auf die Frage, wie viel der gesundheitsbedingte Ausfall eines Mitarbeiters koste, haben viele Personaler keine Antwort. Dagegen erfassen Unternehmen die Kosten für Verschleißreparaturen bei den flotteneigenen Personenkraftwagen akribisch genau – diese beliefen sich 2016 gemäß DAT auf jährlich EUR 171 pro Fahrzeug. Auch die Kosten eines Totalausfalls sind bekannt, entsprechen sie doch meistens dem Anschaffungswert für einen adäquaten Ersatz. Weil diese Kosten hoch sind, werden die Fahrzeuge zur Verlängerung ihrer Lebensdauer regelmäßig gewartet, wofür diskussionslos weitere EUR 265 pro Jahr und Fahrzeug ausgegeben werden.

Krankheitsbedingte Kosten sind deutlich höher

Überträgt man die gleiche Metrik auf Mitarbeiter, fallen weit höhere „Verschleißkosten“ an. Denn fällt ein Arbeitnehmer krankheitsbedingt aus, entstehen direkte Kosten in Form der Lohnfortzahlung sowie indirekte Kosten durch den Ausfall von Wertschöpfung, Stellvertreter- und Rekrutierungskosten oder wegen Qualitätseinbußen. Die Analogie Fahrzeug/Mitarbeiter heißt nicht, dass Mitarbeiter mit Ware gleichzusetzen sind. Vielmehr ist es erschreckend, dass der Wartung von Firmenfahrzeugen häufig mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird als der Prävention und Reintegration erkrankter Mitarbeiter.

Ein durchschnittliches deutsches Unternehmen weist gemäß der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) einen Krankenstand von leicht über 4 % auf. Das heißt, dass 4 von 100 Mitarbeitern durchgängig krank sind und dem Unternehmen nicht zur Verfügung stehen. Allein der damit verbundene Wertschöpfungsausfall beläuft sich im Schnitt auf jährlich mehr als EUR 3.000 pro angestellten Mitarbeiter (auf Basis der durchschnittlichen Bruttowertschöpfung von EUR 72.000 im Jahr 2016). Ein Unternehmen mit 100 Mitarbeitern sieht sich demnach mit Ausfallkosten von mehr als EUR 300.000 konfrontiert. Im Vergleich dazu sind die Kosten eines Fahrzeugausfalls für den Arbeitgeber im Normalfall verkraftbar, ist doch ein Ersatz meist schnell gefunden. Und dennoch: Bei vielen Unternehmen wird die Fahrzeugflotte aktiver – und mit mehr Aufwand – gesund gehalten als die Mitarbeiter...

Nur bekannte Kosten können reduziert werden

Grund dafür ist mit großer Wahrscheinlichkeit das nicht vorhandene Kostenbewusstsein. Ist die Größenordnung der Kosten unbekannt, ist Handeln nicht angesagt. Wieder der Vergleich zum Automobil: Erst das Bewusstsein über hohe Treibstoffpreise führt zu einem sparsamen Fahrstil. Gleich verhält es sich mit den finanziellen Konsequenzen von Krankheiten: Erst hohe Absenz- oder Fluktuationskosten führen zu einem Umdenken im Rahmen der Mitarbeiterbindung und der „Wartung“ zur Sicherstellung von Gesundheit und Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter.

In eigenem Interesse sollten Arbeitgeber also Maßnahmen zur Gesundheitsförderung beschließen, insbesondere in drei Bereichen:

(i) Das Arbeitsumfeld dient der Gesunderhaltung: Ein Auto läuft jederzeit rund, wenn regelmäßig Öl nachgefüllt, Premiumtreibstoff getankt, es periodisch gewaschen und zum Schutz vor Schäden und Schmutz aller Art in die Garage gestellt wird. Damit auch Mitarbeiter jederzeit „rund laufen“, können zur Förderung der Gesundheit zum Beispiel ergonomisch einstellbare Stehtische und Bürostühle zur Verfügung gestellt oder ein Früchtekorb für die gesunde Zwischenverpflegung angeboten werden. Solche für die Gesamtheit der Mitarbeiter getroffene Maßnahmen werden unter dem Begriff der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) subsummiert.

(ii) Früherkennung dient der Prävention: Auch das beste Motoröl kann nicht jeden Schaden verhindern, macht einen solchen aber unwahrscheinlicher. Entsprechend dient eine regelmäßige Fahrzeugwartung der Prävention. Werden Defekte bereits in einem frühen Stadium entdeckt und repariert, können längere Ausfälle und höhere Kosten oft verhindert und sicher reduziert werden. Umgesetzt auf die Mitarbeiter heißt dies: Vorgesetzte und Personalverantwortliche brauchen auch Früherkennungsdetektoren, um den Zustand realistisch einschätzen zu können. Wobei dies im Bereich der Gesundheit weit schwieriger ist als bei einem Fahrzeug. Die Früherkennung von möglichen Krankheiten – insbesondere im Bereich der Psyche – dient der Prävention. Denn professionelle Care Manager können ein sich abzeichnendes Burn-out mit stressreduzierenden und unterstützenden Maßnahmen lindern oder gar verhindern.

(iii) Reparatur dient der Reintegration: Ein Fahrzeug kann trotz Premiumtreibstoff und regelmäßiger Wartung kaputtgehen. In diesem Fall geht es in die Reparatur, um so rasch als möglich wieder einsatzfähig zu sein. Dies gilt auch für Mitarbeiter. Auch hier helfen ein gutes Betriebsklima und regelmäßige Gespräche nicht immer, und es kann zu einem auch längeren krankheitsbedingten Ausfall kommen. Wobei es leider einen entscheidenden Unterschied zu Firmenfahrzeugen gibt: Viele Unternehmen sehen bei den Mitarbeitern keine „Reparaturmaßnahmen“ vor. Während das Auto in die Werkstatt geht, muss sich der Mitarbeiter aus eigener Kraft heilen. Noch schlimmer: Oft geht man davon aus, dass zum Beispiel ein Burn-out einem Totalschaden gleichkommt. Dabei kann auch in einem solchen Fall das Care Management helfen und zum Erhalt der Arbeitskraft und zur Reintegration beitragen.

Erhalt der Arbeitskraft und Reintegration reduziert Kosten

Der Motor eines Arbeitnehmers ist dessen Arbeitskraft. Erhält der ausgefallene Mitarbeiter im Krankheitsfall frühe und professionelle Begleitung, ist eine erfolgreiche Wiedereingliederung wahrscheinlich. Ein reintegrierter Mitarbeiter muss nicht ersetzt werden. Rekrutierungskosten und Einarbeitung entfallen, es entsteht keine neue Teamdynamik, und bestehende Kundenbeziehungen können fortgeführt werden. Die Reintegration von erkrankten Mitarbeitern und der Erhalt ihrer Arbeitskraft reduzieren deshalb die Ausfallkosten. In Analogie zum Fahrzeug wird somit die Lebensdauer der Ressource Mensch über das Mittel der Gesunderhaltung verlängert und im Krankheitsfall über das Mittel der „Reparatur“ erhalten. Es geht somit um nichts anderes als um Systeme und Maßnahmen des BGM – mit dem Ziel, den durchschnittlichen Krankenstand von 4 % markant zu senken. Eine Studie von Roland Berger Consulting aus dem Jahr 2011 bestätigt: „BGM verbessert die Gesundheit und ist ökonomisch effektiv: Programme zur betrieblichen Gesundheitsförderung führen zu einer Reduktion von Abwesenheitszeiten um 30 bis 40 %. Dadurch wird bereits innerhalb von drei bis vier Jahren eine Verringerung der Krankheitskosten erreicht.“ Der oben beschriebene Betrieb mit 100 Mitarbeitern könnte also jährlich rund EUR 100.000 einsparen!

Das Schweizer Vorsorgemodell sieht eine Kombination aus Risikoabsicherung (normalerweise gegen die finanziellen Auswirkungen von Tod oder Berufsunfähigkeit) und Präventions- bzw. Reintegrationsmaßnahmen vor. Die Zusage einer kollektiven biometrischen Absicherung deckt der Versicherer kongruent über Rückversicherung und ergänzt diese mit den Leistungen des Care Management. Denn die Versicherungsdeckung entspricht einem finanziellen Fallschirm – die eigentliche Leistung startet aber bereits viel früher mit der Unterstützung der Früherkennung, bei der Wiederherstellung der Arbeitskraft und der Reintegration von erkrankten Mitarbeitern. Der Abschluss dieses seit geraumer Zeit auch in Deutschland verfügbaren Schweizer Vorsorgemodells führt zwar zu höheren Betriebsausgaben in Form von Versicherungsprämien, neutralisiert diese aber bereits mittelfristig durch die Reduzierung der krankheitsbedingten Kosten. Somit erhält der Arbeitgeber quasi kostenneutral ein emotionales Alleinstellungsmerkmal im Bereich der Employee Benefits, was nicht zuletzt seine Reputation als Arbeitgeber stärkt und Mitarbeiter nachhaltig ans Unternehmen bindet.

 

elipsLife ist ein Unternehmen der Swiss Re Gruppe und agiert als Biometrieversicherer in ausgewählten europäischen Märkten. elipsLife hilft Unternehmen, die Kosten der Arbeitsunfähigkeit von Beschäftigten zu reduzieren und gleichzeitig die finanziellen Folgen einer dauerhaften Berufsunfähigkeit oder eines Todesfalls zu lindern. Ziel von elipsLife ist es, die erkrankte Person mit Hilfe von integriertem Care Management beim Erhalt der Arbeitskraft und bei der Rückkehr ins Unternehmen zu unterstützen. Hierdurch wird wertvolles Wissen im Unternehmen erhalten, und die Kosten für den Personal- und Wertschöpfungsausfall werden deutlich reduziert.

 

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Lucas Müller
CEO elipsLife Deutschland

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